Ich bin dann mal raus (also drin) – Isolation

„Well, that escalated quickly.“

Wie Ron Burgundy sagen würde.

Zumindest weiß ich jetzt, wie sich die Klimagegner fühlen. Wobei ich denke, dass wir alle Klimagegner sind und dass KlimaKopfDurchDieWandGeher sind. Ich find Fahrräder doof. Daran wird sich nichts ändern. Ich find Autos cool. Daran wird sich auch nichts ändern. Doch wenn ich aufhören würde Auto zu fahren, müsste das nicht unbedingt bedeuten, dass ich dann beginne Fahrrad zu fahren – natürlich wäre das eine logische Entscheidung. Doch dann schaltet sich mein Drang nach Freiheit ein und der macht einen Strich durch die Rechnung und sagt: Du hast Beine, es gibt Pferde, es gibt Esel, es gibt Bilgenschweine – wieso solltest Du Dich festlegen, wenn Du auch so Deine Einkäufe nach Hause bekommen könntest?

Wenn man einem KlimaKopfDurchDieWandGeher aber sagt, dass man Fahrräder doof und Autos cool findet, dann hat man verloren.

Nur, weil der KlimaKopfDurchDieWandGeher nicht verstehen will, dass nicht das Automobil, die Stoßstange des Automobils, der Rückspiegel des Automobils oder die Fußmatten des Automobils zum Klimaproblem beitragen, sondern der Motor, die Abgasanlage und das Zeug, was man rein kippt, damit der Motor läuft. Tauscht man das gegen einen Elektromotor – verstehe ich das Problem nicht mehr. Spätestens dann springt in mir der Eindruck wild, dass es gar nicht darum geht, dass alle das Klima retten, sondern nur, dass man gern eher Fahrradfahrer als Freunde hätte oder nur einen Fetisch für Frauen auf Fahrrädern hat oder Irgendeinproblem mit Fahrzeugen auf vier Reifen – denn dann ist das Auto aus der Problematik raus.

Insofern gibt es viele Lösungen und wir alle müssen die besten für uns und diese Welt herausfinden und nicht uns gegenseitig diktieren, wie wir uns fortbewegen sollten.

Was wir jetzt haben, ist zwar auch komplex, doch die Maßnahmen, um einen kolossalen FuckUp zu verhindern, sind überschaubar. In meinem letzten Post hatte ich erwähnt, welche Maßnahmen dazu gehören.

Auch zu mir hat niemand Ende 2019 gesagt: Yo, die Pest kommt zurück! Wer hätte den Shice auch geglaubt? Go Home, you’re drunk!

Doch genau das ist, was hier gerade passiert. Oder zumindest könnte es ein gleicher Abfuck werden. Denn einen entscheidenden Aspekt habe ich in meinem letzten Beitrag vergessen: Auch dem Gesundheitssystem hat keiner Ende 2019 gesagt, dass die Pest zurückkommt. Bedeutet, dass wir nur auf eine gewisse Anzahl an Erkrankungen vorbereitet sind, alles darüber – wird sich selbst überlassen. Und das bedeutet auch, dass wenn ein Impfstoff wirklich, wie in normalen Szenarios der Wissenschaftler angedacht, ein Jahr auf sich warten lassen wird, dass wir ein Jahr lang mit diesen Regeln leben müssen. Dass Geschäfte nicht öffnen können oder nur in einem gewissen Rahmen. Und das Blöde an Geschäften ist, dass die auf machen müssen, damit Leute kommen und Zeug kaufen und wenn keiner kommt, um Zeug zu kaufen, können die nicht mehr lange auf machen. Doch auch hier gibt es einen Lösungsansatz: Das Netz.

Natürlich sind das verflucht beängstigende Zeiten und niemand ist darauf vorbereitet, sonst hätten wir doch schon einen Plan.

Doch wir haben alles am Mann, um das glimpflich und mit nur wenig Einbußen an Lebensqualität zu überstehen. Und sich über die genannten Regeln hinweg setzen – ist nichts davon.

Die Menschen, die das letzte Jahrzehnt damit verbracht haben das Internet doof zu finden, sich an dem guten, soliden Einzelhandel um die Ecke festzuhalten, Zeug zu drucken anstatt online zu stellen, und so weiter – müssen dann schnell schalten – und wenn die schnell schalten – müssen die das dem guten, soliden Einzelhandel und denen, die gern drucken, sagen.

Ich hatte am Montag den ersten Anruf eines Kunden (Grüße an Blumen Boon aus Pulheim), der nun auch online Bestellung, Zahlung per PayPal und Lieferung im Umkreis von Köln anbieten will. DAS war schnell geschaltet und auch schnell in Umsetzung.

Zu meinem großen Glück habe ich einen Arbeitgeber (Dank an die Höffken GmbH aus Wuppertal), der bei meinem nächsten Gedankengang mitspielt und so habe ich mich heute (so weit es möglich ist) selbst isoliert.

Denn, auch wenn ich jemand bin, der die Amis feiert, weil sie einem Irren Druck gemacht haben, der uns den Faschismus brachte und uns daraufhin die Freiheit brachten, auch wenn sie einfach hätten chillen können, so genieße ich die Freiheit freiwillig etwas Richtiges zu tun. Dazu bin ich jemand, der geblitzt wird und direkt davon ausgeht, nun die Fahrerlaubnis entzogen zu bekommen, damit man sich nachher freut, wenn man „nur“ 25,- € zahlen muss. Und somit mag mein Schritt auch übertrieben auf manche wirken, doch wenn es hart auf hart kommt, müssen wir das sowieso alle durch ziehen. Wenn sich manche da einfach nicht behelligen lassen wollen, dann möchte ich deren Risiko mindern, indem ich das mache, was ich sowieso mache: Alleine zu Hause sitzen und Zeug im Internet anstellen.

Ich kann alle Systeme von meinem regulären, externen Büro-Arbeitsplatz von zu Hause bedienen und auch die Rufnummer ist auf ein iPhone neben mir umgeleitet. Somit ist es nur noch in bestimmten Fällen (Ablage, Post, Anlieferungen, etc.) notwendig vor Ort zu sein und dann fahre ich halt zu Zeiten ins Büro, zu denen eben nur Irre wach sind oder es nicht anders geht. Ansonsten kann ich die gleiche Performance bringen, die man von mir gewohnt ist – atemfuckingberaubend. Da ich nebenbei noch eigene Kunden betreue, kann ich das ebenfalls und auch hier. Nur für Hardwareaufgaben vor Ort aufschlagen. Dafür spare ich mir die Fahrtzeiten (und die ein oder andere Dusche) und trage etwas dazu bei, dass die, die einen Aufenthalt im Krankenhaus dringend brauchen, diesen auch bekommen können.

Dabei geht es nicht im Geringsten darum, dass ich besondere Angst verspüre, mich zu infizieren. Meinetwegen ess ich sofort ein schmackhaftes Corona-Meerrettich-Schnittchen und womöglich würde ich das (dummerweise) überleben und es wäre dann sehr unwahrscheinlich, dass ich mich erneut infiziere und könnte wieder „normal“ leben. Doch das Ding ist halt, dass man immer ein Multiplikator ist. Wenn ich das Virus jetzt an mir habe, verspüre ich nicht unvermittelt Krankheitssymptome, lasse mich nicht unvermittelt testen, gehe nicht unvermittelt in Quarantäne, sondern renne womöglich noch gute anderthalb Tage rum und verteile das Virus, bevor sich dann jemand damit infiziert und im Worst-Case übermorgen mit 2Pac dinieren kann.

Daher verstehe ich die Ängste, doch die Reaktion MUSS jetzt diszipliniert sein, um die Infektionsquote so lange klein zu halten, bis ein Impfstoff in ausreichender Menge da ist – davor spielen wir alle russisch Roulette – VOR ALLEM – mit denen, die wir gern haben. Denn es trifft nie die, die es treffen sollte und wenn die dicke Frau singt, fallen meist die Helden.

Und wenn einige nun nicht klein bei geben wollen, dann kommt es halt, wie in Italien oder noch viel schlimmer.

Mich interessiert jetzt vor allem, wie es sich hinsichtlich des Interwebs‘ entwickelt. Denn die Möglichkeiten mit- und untereinander zu kommunizieren, zu Arbeiten, Warenverkehr, Informationsbeschaffung etc. sind genau auf dem technischen Stand, dass es durchaus möglich ist, eine Worst-Case-Zeit so auszuhalten. Oder zumindest angenehmer zu gestalten. Wenn die Menge an Arbeit bei mir gleichbleibend aus den verschiedenen Anstellungen und Unternehmungen ausfallen sollte, werde ich einfach nur weiter arbeiten und der Feuerball hinter dem Fenster verschwindet manchmal. Wenn ich es jedoch schaffen sollte, versuche ich zu bloggen und zu streamen.

Mal schauen, wie sich die Dinge entwickeln.

Gesund bleiben!

Bye.