Maseratis, Boeings, Tempos und ein Clown – What a time to be alive!

Es gibt Tage, an denen liegen so viele offene Enden vor einem, dass man schreiben muss. Heute ist so ein Tag.

Alles, was jetzt kommen wird, kann womöglich Ansichten verletzen und Themen objektiv betrachten, die für den ein oder anderen schmerzhaft sein können. Das kann nicht jeder ab. Daher habe ich mir Gedanken zu einer Alternative gemacht und dazu gibt es diesen Link: ALTERNATIVE

Es ist besser diesmal eventuell die Alternative zu wählen, falls man leicht getriggert werden kann oder absolut keinen Tag damit auskommt IRGENDETWAS zu tun, wofür man sich am Abend als überlegener Weltenretter auf die Schulter klopfen kann.

Okay, seit Wochen tobt die Diskussion, wie sinnvoll oder unsinnvoll Tempolimits auf Autobahnen sind. Unfälle sollen dadurch vermieden werden, obwohl sich Defizite am Verständnis der Regeln einer Autobahnfahrt bei Befürwortern oft nicht wegdiskutieren lassen und Zahlen dazu häufig nicht aufzufinden oder angeblich schlecht interpretiert sind. Man habe ja keine Ahnung und Politiker sowieso nicht und sowieso wäre alles viel besser und sicherer und so.

Es ist schwer zu verstehen, wie Menschen in eine Diskussion gehen können, ohne ausreichender Objektivität oder Rückhalt durch Fakten. Oder überhaupt anderen Ideen dazu, als dass es sich traumhaft anhört. Alle fahren maximal 130 km/h und so gibt es weniger Unfälle und alle kommen entspannter und nach Rosen duftend ohne Verspätungen an. Es gibt keine Staus mehr, denn alle halten sich ja nun an die Regeln und sind artig und freundlich und friedlich und so was alles.

Es kam die Meldung aus den Staaten, dass die (trotz Tempolimit) die wenigsten tödlichen Unfälle mit Fußgängern seit 30 Jahren haben. Warum? Fragt man sich da. Wieso ist da seit 30 Jahren an Infrastruktur und Regelwerk alles gleich und trotzdem passiert weniger?

Men lie, women lie, numbers don’t.
(Jay-Z)

Nun habe ich mich doch mal schlaumachen wollen und habe diese Zahlen vom deutschen Verkehrssicherheitsrat bis 2017 gefunden. Ja, ist alt und nicht aktuell und ich verstehe nichts von Statistiken und Zahlen und alle sind überrascht, wie ich den aufrechten Gang drauf haben kann. ABER! Wenn man sich selbst als dümmste Person dieser Welt, also Donald Trump, diese Zahlen ansieht, dann dürfte man verstehen, dass 1.201 (1991) viel mehr ist, als 409 (2017).

Und auch als sehr, sehr dummer Ase, stellt sich mir die Frage: Wieso ändern sich Zahlen, wenn sich doch an sich nichts verändert hat?

Vielleicht stellt sich diese Frage auch nur, wenn man nicht alles im Überblick hat?!

Nehmen wir mal an, es gäbe einen Faktor, den man nicht beachten will, weil dieser Faktor der eigenen Argumentation im Weg stehen würde. Zum Beispiel, dass die Erde womöglich doch rund ist, weil die anderen Planeten auch fast ausschließlich rund zu sein scheinen. Oder, dass es Odin geben muss, weil der versprochen hat, alle Eisriesen zu töten und ich einfach noch nie einen Eisriesen (hier) getroffen hab.

Vielleicht hat ja etwas an dieser Zahl gedreht, was man selbst gar nicht beeinflussen kann, weil es einfach nicht die eigene Baustelle ist und vielleicht nur ein nettes Hobby, als eine Berufung sein sollte.

Ich habe mir am Wochenende die Netflix Formel 1 Doku mehrfach angesehen. Ich mag die Formel 1, schlafe nur immer wieder ein, sobald sich zwei Fahrer jährlich die Krone gegenseitig übergeben oder über Jahre hinweg ein Fahrer triumphiert. Das macht es langweilig. Doch nach der Doku habe ich gemerkt, dass das auch an der Berichterstattung liegen kann, die sich auf die Top-Teams konzentriert. Obwohl die Dramen dahinter passieren. Doch das nur am Rand.

Mir geht es darum, dass es ganz entscheidenden Faktor gibt, der die Unfallstatistiken positiv beeinflusst haben könnte. Dazu folgendes Video von Marcus Ericsson aus dem letzten Jahr in Monza:

(leider nur auf YouTube verfügbar)

Der Typ ist in Monza, einer der Hochgeschwindigkeitsstrecken der Formel 1 mit gut 320 Sachen in die Bande, hat sich mehrfach überschlagen und ist  danach auf seinen eigenen Beinen, ohne einen Kratzer, lächelnd und winkend durch die Boxengasse spaziert. Zu Beginn der Formel 1 konnte es in einem Jahr sein, dass drei Fahrer nicht Heim kamen.

Die Innovationen aus der Formel 1 landen später in unseren Fahrzeugen und verbessern auch unsere Sicherheit. Also vielleicht ist das was man tut nicht DER größte Move, den man bezüglich Sicherheit und Umwelt und Nettigkeit machen kann, sondern doch nur Aktionismus.

Die Sicherheitstechnik unserer Kraftfahrzeuge hat sich stetig verbessert, da sich solche Maßnahmen auch zunehmend besser verkaufen lassen. Jetzt mögen manche sich fragen: Schön und gut, aber inwiefern soll sich die Technik an einem Auto so verändern, dass weniger Fußgänger drauf gehen?

Das durfte ich als Mitarbeiter bei einem Autozulieferer lernen, denn auf dem Gelände gab es einen Bereich, auf dem Sprengstoffe gelagert wurden. Je nachdem, wie hochwertig Euer Fahrzeug ist kann es sein, dass Ihr tagtäglich mit einer Ladung Sprengstoff durch die Gegend flitzt und davon nichts wisst.

Denn manche Fahrzeuge haben bereits einen Mechanismus, der einen Aufprall mit einem Fußgänger erkennen lässt und in dem Fall die Motorhaube nach oben, dem Fußgänger entgegen, sprengt. Mag sich jetzt komisch anhören, aber dadurch, dass die Motorhaube in dem Fall als Feder des Oberkörpers funktioniert, schlagen weniger Fußgänger mit dem Kopf direkt auf der Windschutzscheibe auf und diese kommt ihnen somit – trotz allen Furchtbarkeiten die eine Kollision mit sich bringt, zum Schutz etwas entgegen.

Und ich erwähne jetzt nicht weiter, dass die Polizei auch eher der Meinung ist, dass Unfälle mit LKW’s (die nur 90 km/h fahren dürfen) deutlich häufiger sind. Außerdem lasse ich nun mal weg, dass die meisten Unfälle auf der A2, der Ost – West Achse und durch unzureichend sichere Fahrzeuge im Lastkraftverkehr entstehen. Auch, dass man Lastkraftverkehr mit einem Tempolimit gar nicht berühren würde.

Wir nehmen uns mal ein anderes Beispiel vor. Ein überragender Tweet fiel mir gestern ins Auge:

Also eine Bahnfahrt kostet so viel, wie zwei Mal Maserati fahren? Liebe Weltverbesserer und schlauere Menschen. Egal wie sehr Ihr das Tempo begrenzen wollt, nichts würde meine Entscheidung hier dahin gehend beeinflussen, nicht mit einem Maserati zu fahren. Und mir fällt wirklich nichts ein, wie ich Euch verdeutlichen soll, was das bedeutet. Da Ihr sicher keine Autos mögt.

Auch wenn der Ghibli nur der neue Jeep Renegade unter den Maseratis ist. Ich würde die Scheiße aus dem Baby fahren. Ich hab’s Euch gesagt, nehmt die Alternative!

Und ja, mir ist aufgefallen, dass es eine erste Klasse Bahnfahrt und die sicher entspannend und produktiv sein könnte. Trotzdem gibt es noch einen entscheidenden Vorteil, der für den Maserati spricht: Da muss ich mir nur das anhören, was ich mir anhören möchte. Das entspannt mich sehr.

Dennoch sollte es doch eher so sein, dass die Fahrt mit einem Zug einen Bruchteil von der Fahrt in einem Maserati kosten sollte, damit es SO RICHTIG attraktiv wird. Man muss sich denken: Leck mich fett, wenn ich das Angebot nicht annehme, dann wäre ich ja noch viel dümmer, als ich überhaupt schon bin.

Ich möchte nicht damit sagen, dass man immer alles wissen und kontrollieren muss und kann, wenn man nur ein normaler Mensch auf Twitter ist, der sich engagieren und die Welt besser machen möchte. Natürlich kann man nicht jede Kennzahl auf dem Schirm haben, um wirklich sagen zu können, ob man gerade die beste Entscheidung trifft. Denn am Ende ist es ja vollkommen egal, ob man den richtigen Riecher hatte, denn man ist nur jemand auf Twitter, hat keine Verantwortung diesbezüglich, kann das Handy weglegen und schlafen gehen. Aber wisst Ihr, wer für so was verantwortlich ist? Politiker!

Ja natürlich, die ein oder andere Partei ist nicht ganz frisch und hat wahrscheinlich nicht die besten Ansichten und Ambitionen, dennoch ist es so, dass wir Vertreter benennen die Regierung und Opposition bilden, solche Fragen angehen, dazu Berater einstellen, sich dann untereinander beraten und eine Entscheidung fällen. Wenn diese Entscheidung nicht koscher ist, gibt es noch die Presse, die auf so was hinweisen könnte.

Ob ich ein Beispiel habe? Selbstverfuckingständlich!

Wie ich bereits im Post zuvor erklärt habe, bedeutet Klimaschutz nicht ausschließlich nur Autoverkehr. Und nun ist etwas Schreckliches passiert, was noch schrecklichere Züge annehmen könnte. Warum? Weil Politiker ihren Job nicht gemacht haben oder falsch gemacht haben oder nicht richtig machen konnten, weil jemand eine Mauer haben wollte.

In dem Fall bräuchte man also gar keine Presse, man müsste nur eins und eins zusammenzählen – was ich nicht kann, weil ich strunzdumm bin. Dennoch hat Rachel Maddow hier einen Punkt:

Worum geht`s? Den Boeing 373 MAX 8 Flieger, nachdem in Äthiopien ein solches Modell mit 157 Menschen an Board aus der Luft gestürzt ist, kam heraus, dass der Autopilot zeitweise unvermittelt damit beginnt, nach unten zu ziehen. Kein Landemanöver, sondern einfach die Nase runter zu ziehen. Die Piloten müssen dann den Autopilot einmal neu starten, die Maschine wieder hoch ziehen und Autopilot wieder einschalten. Dennoch, der Flieger fliegt mit Schub in den Boden, wenn Pilot nicht etwas ausführt. Richtige Reaktion: eine Vielzahl der Länder hat nicht nur Start und Landung, sondern auch Überflug dieser Modelle verboten.

Amerika jedoch nicht. Warum? Weil Donald Trump einen Anruf vom Chef von Boeing erhalten hat und der sagt, alles wär super duper.

Dämlich und nicht mehr überraschend, aber vielleicht nicht das tragischste an der Geschichte. Denn Rachel erklärt hier anschaulich, dass Boeing das Problem seit dem Crash des Lion Air Fluges im Oktober 2018 auf dem Schirm hatte und wusste auch, was zu tun ist. Ein Softwareupdate war im Januar schon ready. Doch dummerweise hat sich die amerikanische Luftfahrtbehörde gedacht, dass man da diesmal doch genau ein Auge drauf werfen sollte. Dann kam noch der Government Shutdown in den Staaten dazu und so kommt das Update erst im April. Aber kein Problem, denn der Clown hat ja alles im Griff und mit dem Chef von Boeing gesprochen.

Ich weiß nicht, ob das vor oder nach seinen Tweets war, dass er es sowieso komisch findet, dass Flugzeuge immer komplizierter werden, als leicht, einfach und althergebracht zu sein. Und er will auch nicht, dass nur noch Albert Einstein Flugzeug fliegen kann, sondern auch Idioten.

Genau. Der wundert sich sicher auch, wieso die Zahlen der Unfalltoten sinken, obwohl alles gleich bleibt (außer Technik, die er nicht versteht und daher nicht weiß, welche Hilfe diese tagtäglich ist und was sie alles bisher bewirkt hat).

Wie gesagt, wenn jemand eine Idee hat, wie man alles verbessern kann, immer raus damit. Doch nicht nur Anhänger suchen und lauter werden, nur weil man grad nichts anderes zu tun hat. Sondern nur, wenn es durchdacht und von Entscheidungsträgern abgenickt wird.

Denn nehmen wir mal an, dass wir die Tempolimits auf 130 km/h reduzieren, eine Zugfahrt so günstig wird, dass man blöd wäre mit dem Maserati zu fahren und die Autoverkäufe zurück gehen würden. Wenn Audi, Mercedes oder VW nun Stellen streichen, sollen die dann eher beim Abgas- oder beim Sicherheitsteam streichen? Und hilft uns das dann wirklich weiter, wenn wir uns für eins entscheiden müssten? Oder wäre es gut einen Weg zu finden, der für alle denkbar ist?

Vielleicht gibt es wirklich andere Probleme?

Vielleicht ist das, wofür man sich auf Twitter streitet, gar nicht die beste Lösung?

Vielleicht sind Politiker doch zu was nutze?

Vielleicht ist man selbst nicht die Lösung aller Probleme?

Vielleicht bin ich gar kein Idiot?

Vielleicht ist diese Welt nicht mehr zu retten?