You gotta learn from the Pro!

Die Entwicklung des Internets ist atemberaubend. Und für manche mitunter auch ziemlich verwirrend. Zum Beispiel: Nur weil irgendwo im Netz steht, dass es Echsenmenschen gibt, muss das nicht gleich stimmen.

Ich sehe eine neue Generation, die mit dem Netz aufwächst und ich sehe eine verblühende Generation, die sich über die Umstände des Alters durch das Netz erhebt. Ich glaube, ich könnte stundenlang meine Beobachtungen hier verarbeiten, doch wir alle haben bemerkt, dass die Zeit dafür mit dem Alter kostbarer wird.

Was mich derzeit fasziniert ist, dass sich das Netz von einem schwarzen Brett für alle – vor allem Irre wie mich – zu einem Pool an Wissen aus ausgewählten Quellen entwickelt. Für 9,99 € kann man bei manchen Anbietern schon einen ganzen Webentwicklungs- oder Fotografie-Onlinekurs erwerben, sich diesen in einer Woche geben und sein Leben vielleicht damit nachhaltig verändern.

Außerdem ist das Internet ein Eldorado für Wissen, was man womöglich gerade noch gar nicht so braucht.

Natürlich habe ich ein Beispiel. Den Appalachian Trail (den RL Leuten bluten jetzt die Ohren)

Der Appalachian Trail ist ein Fernwanderweg in den Staaten, der von Georgia bis Maine die Ostküste hinauf geht und das nur knappe 3500 km. Das bedeutet: 5 – 6 Monate durch den Wald laufen und das in einer gewissen Zeitspanne, weil der Gipfel von Mt. Katahdin und dem Ziel des Trails im Winter gesperrt ist.

Irgendwann hab ich eine Doku dazu gesehen und mich ein wenig eingelesen. Jetzt wusste ich, was der Appalachian Trail ist, ich wusste worum es geht, ich konnte ungefähr erklären was abgeht und war nach wie vor fasziniert. Ich habe das Thema jedoch mit der Zeit (und dem Alter) aus den Augen verloren.

Bis vor Kurzem, denn dann habe ich entdeckt, dass das Internet sich selbst einen 3500 km langen Fernwanderweg zunehmend einverleibt. Wie das?

Als ich erstmals zum Appalachian Trail recherchiert habe, fand ich eine Wikipedia Page, die offizielle Seite der Trailverwaltung und ein bis zwei Blogs. Jetzt gibt es Hiker (Wanderer), die mit GoPro vor der Brust und iPhone am Stick ihren Weg aufnehmen, bei einem Zero-Day (ein Off-Tag, an dem man Zero Kilometer läuft und bestenfalls in einem Hotel mit WLAN ist) schneiden,  hochladen und so das Netz teilhaben lassen.

Nach ihrem Trip schneiden sie dann ein, zwei Stunden Doku aus dem ganzen Material und ihren Lieblingserinnerungen, dann wird ein Rucksackhersteller aufmerksam und Schwupps, laufen sie ein Jahr später gesponsored den PCT (Pacific Crest Trail, die Westcoast Alternative zum AT). Somit entwickeln sich hier gerade Profis, von deren Erfahrungen wir profitieren können.

Und zwar so sehr profitieren, dass man sich mit zwei YouTube Abenden eine eigene Packliste machen kann, weiß wie man an Nachschub kommt, wo man übernachten kann und wo lieber nicht. Man weiß was ein Bearsack ist, wie man ihn nutzt und warum. Man weiß wie man sich zu verhalten hat, was üblich ist und wie man sich daneben benimmt. Außerdem erfährt man, wie Maildrops funktionieren und das ist wirklich eine sehr interessante Maßnahme bei der Planung eines solchen Trips.

Man hat weder einen Flug gebucht oder einen Schlafsack gekauft, aber man ist jetzt schon besser vorbereitet, als jemand, der 1983 den Appalachian Trail gelaufen ist.

Falls Euch das Thema interessiert, hier die Doku einer Familie, die den Trail lief und wer Feuer gefangen hat, der findet auf ihrem Kanal auch die einzelnen 134 Videos vom Trail.

Was ich nur teilweise verstehe…

Ein anderes Beispiel. Wir bleiben beim Wald, jedoch nicht bei einem geplanten Aufenthalt. Was wenn wir irgendwo im Wald aufwachen und überleben müssen? Auch dafür gibt es wahrscheinlich sehr viele Trainer und Workshops im lokalen Umland.

Aber auch hier hat YouTube eine Möglichkeit für uns, an den „Lehrern“ vorbei zu gehen und von den Profis zu lernen. Und wer kann einem schon mehr über das Überleben erzählen, als ein US Marine oder ein Green Beret – auch wenn ich mich gerade frage, wieso ich mir dieses Wissen überhaupt aneigne, anyway.

Long Story Short, auf dem Kanal von Corporals Corner erhält man nicht nur Anleitungen zum Überleben, sondern die meisten, gezeigten Materialien auch direkt beim Corporal im Amazon Shop und über die Videobeschreibung.

Bei The Gray Bearded Green Beret erklärt uns der Army Ranger und Green Beret, Joshua Enyart alles über das Überleben in der Wildnis. Und auch hier gibt es einen Amazon Shop.

NomNoms

Auch was Essen angeht, wird man mittlerweile über Chefkoch.de hinaus versorgt. Es ist ein Rückblick, denn ich hatte den Kanal bereits in einem YouTube Post vorgestellt. Es geht um den King of BBQ in Austin, Texas – Aaron Franklin von Franklin Barbecue.

Hier stehen sich tagtäglich Leute die Beine in den Bauch, um etwas von Aaron’s Brisket oder Burned Ends zu bekommen. Damit ist er bereits in Anthony Bourdains (RIP) Netflix Show „No Reservations“ und Jon Favreaus Film „Chef“ geschafft. Und nebenbei erklärt er dann noch auf YouTube, was man machen muss, damit man auch zu Hause so gutes Barbecue hin bekommt. Watch:

Ihr seht, das Netz ist nicht nur voll von Wahnsinnigen, es gibt auch einiges zu entdecken und zu lernen. Und die Möglichkeiten werden immer umfangreicher, für die Vermittelnden und die Suchenden.

Jetzt habe ich Angst, dass dies eine „Es ist nicht alles schlecht“ Moral von der Geschicht‘ in mir offenbart. Was inakzeptabel und lächerlich zugleich ist 😉